Das MixTAPE, ausdrucksform und kultobjekt von Generationen, wird gerne an allen möglichen Stellen nostalgisch überhöht, gerade mal wieder beim SpOn Ableger einestages. Mittlerweile findet man auch die Mix CD an einigen Stellen als Kultobjekt einer Generation wieder, doch obwohl ich beide benutzt habe, hing mein Herz an einer anderen Stelle.
Als ich Mitte der 90er den Walkman für mich entdeckte um die unendlich erscheinenden Busfahrten zur Schule zu versüßen, war dieser eine Technologie von gestern. Analoge Bänder die mit enormen Qualitätsverlust bespielt wurden und zudem noch bei jedem abspielen mehr von der ursprünglichen Musik verloren, waren im Zeitalter in denen die CD längst das Maß aller dinge geworden war einfach nicht mehr Zeitgemäß. Doch was war Alternative? Einen klobigen Discman mit sich herumtragen der bei jeder kleinsten Bewegung mit der Musikwiedergabe pausierte? Dann doch eher alte Band.
Da ich nicht der einzige der diese Problematik sah hatte die Elektronikbranche hierfür bereits zu Beginn der 90er Lösungen geschaffen. Sowohl die „Digital Compact Cassette“ als auch die „MiniDisc“ sollten vor allem Unterwegs uneingeschränktes Hörvergnügen bieten. Der Erfolg „Digital Compact Cassette“ blieb von vornherein aus und wurde 1996 eingestellt.
Blieb die MiniDisc eine, in meinen Augen damals wie heute, sowohl dem Tape als auch der CD in allen Punkten überlegenes Medium. Welche für einen Jugendlichen erstmal unerschwinglich erschien.
Abizeitungs Charakterisierung wiedergefunden
Großartiger Weise habe ich auf einer älteren Backup-CD (ja, damals…) meine Abizeitung in digitaler Form gefunden und musste ziemlich lachen als ich den Text über mich nochmal gelesen habe. Da würde man mich wahrscheinlich immer noch wiederfinden!
Ich denke, dass Benjamin nicht von dieser Welt ist. Er wird von einer intelligenten außerirdischen Lebensform auf unserem Planeten abgesetzt worden sein. Außerdem ist er auch nicht auf normale Weise zur Welt gekommen. Vielmehr ist er aus einem Ei geschlüpft, das er seitdem in Form eines Rucksacks auf seinem Rücken trägt. Beweis, neben der Faszination für Serien, in denen Menschen mit Raumschiffen durch ferne Galaxien reisen, ist auch sein Scanner, den er als PDA tarnt. Ich habe gesehen, wie er mit ihm Menschen gescannt hat, um zu schauen, ob er Verbündete seiner Lebensform findet. Benjamin ist höchst wahrscheinlich nicht der einzige Außerirdische unter uns.
Auffällig ist, dass er mit Christoph […] und Gloria […] oft zu diversen Veranstaltungen fährt, die, als Festivals getarnt, sicherlich Treffpunkte für diese außergewöhnliche Lebensform sind.
Sein historisches Interesse und die Begeisterung für den Geschichts-LK zeigen seinen Wissensdurst, alles über die Erde herauszufinden. Wenn man einmal von seinem Desinteresse für Bilder und Gedichte absieht.
Außergewöhnlich ist auch sein Appetit. Man kann Benjamin beobachten, wie er immerzu verschiedene Lebensmittel aus seinem Rucksack hervorzaubert, der sich niemals zu leeren scheint. Sicherlich raubt das Leben auf einem fremden Planeten jede Menge Energie und wahrscheinlich ist das irdische Essen nicht nahrhaft genug. Es würde auch das Desinteresse an jeglichem Sport erklären, der zuweilen sehr kraftraubend sein kann.
Interessant ist auch seine Reaktion auf zuviel Hitze. Selbst im Winter beharrt Benjamin ständig darauf, das Fenster in der Klasse zu öffnen, was den meisten Mitschülern natürlich zuwider ist. Sicherlich stammt Benjamin von einem Planeten, der weiter von einer Sonne entfernt ist als die Erde. Niedrige Temperaturen um die 10°C müssen ihm wie eine unglaubliche Hitze erscheinen, auf die sein Organismus empfindlich reagiert.
Auch die Atmosphäre auf seinem Heimatplaneten muss völlig anders zusammengesetzt sein als auf der Erde. Ich denke, dass dort Schallwellen bei weitem nicht so gut transportiert werden wie auf diesem Planeten. Aus diesem Grunde ist es schwer, mit Benjamin während des Unterrichts unentdeckt zu flüstern.
Benjamin ist aber keinesfalls ein Außenseiter. Im Gegenteil, niemandem fällt auf, dass er von einem anderen Planeten stammt. Ganz abgesehen davon, dass er nicht der einzige ist. Die angesprochenen Festivals werden von mehreren Tausenden seiner Art besucht. Nein, diese Lebensform ist bereits völlig integriert, ohne dass es jemals zuvor jemandem aufgefallen wäre. Man nennt sie New Metaller; zuweilen ist er meines Erachtens auch ein Brit Popper. Aber egal, wie man sie nennt, jede Bezeichnung dürfte unzureichend sein, ganz im Sinne des Sinus Modells.
Will man es sich mit Benjamin nicht verscherzen, dann sollte man in keinem Fall einen Fleck oder einen Knick in eines seiner gut beschützten Computer- oder Musikmagazine bringen.
Benjamin hat lange auf einen DSL Anschluss gewartet um in Kontakt mit dem Hohen Rat seines Volkes zu treten und ihn zu bitten, ihm eine Kandidatur als Kanzler zu gewähren. Dies, so denke ich, wäre ganz im Sinne der meisten Mitschüler. Außerdem beruht Benjamins politisches Wissen nach eigenen Angaben auf einem sehr seriösen Fundament: der Harald Schmidt Show.
Und deswegen und aus vielen anderen Gründen: Benjamin for President!